Raphael Mechoulam
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Raphael Mechoulam: Pionier der Cannabisforschung

Leben und wissenschaftliche Ausbildung

mechoulam Raphael

Prof. Raphael Mechoulam gilt weltweit als „Vater der Cannabinoidforschung“. Seine Pionierarbeit hat sich als von zentraler Bedeutung für die Pharmakologie, Physiologie und Medizin erwiesen.

Er wurde 1930 in Sofia, Bulgarien, geboren, überlebte den Krieg in Europa und wanderte 1949 nach Israel aus. Mechoulam studierte Biochemie und erhielt 1952 seinen Master of Science an der Hebräischen Universität in Jerusalem, Israel. 1958 promovierte er mit dem Thema „Research on steroid synthesis“ vom Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel. Danach zog es Mechoulam für seine Postdoktorandenforschung ein Jahr ans Rockefeller Institute (heute Rockefeller University) in New York, USA und widmete sich der Forschung der Struktur von Triterpenen. 1960 kehrte er nach Israel zurück, wo er am Weizmann Institute seine eigene Forschungsgruppe gründete. Mit seinen Kollegen befasste er sich in dieser Zeit hauptsächlich mit der Forschung von natürlichen Stoffen, insbesondere von Cannabinoiden, Terpenen und Alkaloiden. Sechs Jahre später wechselte er an die Hebräische Universität, wo er von 1979 bis 1982 als Rektor tätig war [1].

Entdeckung der Hauptphytocannabinoide

Mechoulams Forschungsschwerpunkt lag auf der Chemie natürlicher Substanzen, ihrer biologischen Funktion und der Entwicklung neuer potenzieller Medikamente. Er ist vor allem für seine Forschungen zur Chemie, Biochemie und medizinischen Chemie von Cannabinoidverbindungen pflanzlichen Ursprungs bekannt.

Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern seiner Arbeitsgruppe, darunter Yehiel Gaoni, klärte Raphael Mechoulam in den frühen 1960er-Jahren die chemischen Strukturen und die Stereochemie der Haupt-Phytocannabinoide auf, darunter Cannabidiol (CBD, 1963) [2]. Im Jahr 1964 berichtete er während über die Isolierung und Strukturaufklärung von Tetrahydrocannabinol (THC), dem wichtigsten psychoaktiven Wirkstoff der Cannabispflanze [3]. Mechoulam identifizierte anschließend körpereigene Cannabinoide (Anandamide, 2-AG), sogenannte Endocannabinoide, sowie ein bisher unbekanntes biochemisches System, welches unzählige Funktionen im Körper und Gehirn steuert– das Endocannabinoid-System (ECS). Endocannabinoide sind an einer Vielzahl biochemischer Prozesse und deren Funktion bzw. Dysfunktion beteiligt und spielen eine entscheidende Rolle in unzähligen Krankheiten [4-6].

Bereits 1965 gelang der Gruppe zudem die Totalsynthese beider chemischen Verbindungen. Im selben Zeitraum isolierten, charakterisierte und synthetisierte Mechoulam mit seinen Kollegen Cannabigerol (CBG, 1964) und wies nach, dass diese Verbindung keine psychoaktiven Eigenschaften besitzt [7]. 1970 berichtete Mechoulams Doktorand Ben-Zvi erstmals über die Isolation eines aktiven Δ9-THC -Metaboliten im menschlichen Organismus [8].

Später setzte Mechoulam seine Arbeiten zu Cannabinoiden fort und intensivierte die Zusammenarbeit mit klinisch Forschungsteams. 1987 initiierten Mechoulam und Abrahamov eine klinische Studie mit Δ8-THC – einem stabileren Isomer von Δ9-THC – an Kindern, die aufgrund ihrer Krebserkrankung eine Chemotherapie erhielten. Δ8-THC erwies sich als wirksam in der Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen und wird seitdem zur Behandlung Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen eingesetzt [9].

Theorie des Entourage-Effekts

jung pflanz

1998 entwickelte Mechoulam gemeinsam mit Ben-Shabat die Theorie des sogenannten Entourage-Effekts. Dieser Effekt beschreibt die synergistische Wirkung verschiedener Inhaltsstoffe einer Pflanze, die zusammen eine stärkere Wirkung erzielen als ihre isolierten Bestandteile. Konkret bedeutet das, dass Cannabinoide, Terpene und Flavonoide zusammen eine potenziell breitere oder intensivere Wirkung haben, wobei diese Kombination auch dazu beitragen kann, Nebenwirkungen von einzelnen Bestandteilen wie THC zu mildern. Der Effekt wird am ehesten bei Vollspektrumextrakten beobachtet, die das gesamte Spektrum der Pflanze enthalten. Einige Studien stützen diese Hypothese, jedoch fehlen noch groß angelegte, kontrollierte klinische Untersuchungen, um den Entourage-Effekt endgültig zu belegen. Die Theorie des Entourage-Effekts hat die moderne medizinische Nutzung von Cannabis spürbar geprägt und zeigt, wie wichtig ein ganzheitlicher Blick auf die unterschiedlichen aktiven Bestandteile der Pflanze ist [10].

Auszeichnungen und akademisches Erbe

entourage effekt

Mechoulams Forschungsleistungen brachten ihm zahlreiche Auszeichnungen ein, darunter den Israel-Preis für Exakte Wissenschaften, den Rothschild-Preis für Chemie und Physik, den internationalen Heinrich-Wieland-Preis, den Lifetime Achievement Award des US-amerikanischen National Institute on Drug Abuse (NIDA), den Lifetime Achievement Award des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) und den EMET-Preis für Exakte Wissenschaften.

Er ist Mitglied der Israelischen Akademie der Wissenschaften und Geisteswissenschaften und hält Ehrendoktorwürden verschiedener Universitäten in Europa, den USA, Kanada, Argentinien und Israel. Er ist Autor von mehr als 470 Publikationen, die insgesamt etwa 51.000-mal zitiert wurden [11].

Neben all seinen Erfolg in der Forschung war Raphael Mechoulam verheiratet, Vater von drei Kindern. Er verstarb am 9. März 2023 in Jerusalem.

Quellen

1. Crippa, J.A.-O., et al., Dr. Raphael Mechoulam, cannabis and cannabinoids research pioneer (November 5, 1930–March 9, 2023) and his legacy for Brazilian pharmacology. Braz, J. Psychiatry, 2023.

2. Mechoulam, R. and Y. Shvo, Hashish—I. Tetrahedron, 1963. 19(12): p. 2073-2078.

3. Gaoni, Y. and R. Mechoulam, Isolation, Structure, and Partial Synthesis of an Active Constituent of Hashish. Journal of the American Chemical Society, 1964. 86(8): p. 1646-1647.

4. Mechoulam, R., et al., Identification of an endogenous 2-monoglyceride, present in canine gut, that binds to cannabinoid receptors. Biochemical Pharmacology, 1995. 50(1): p. 83-90.

5. Mechoulam, R. and L.A. Parker, The endocannabinoid system and the brain. Annu Rev, Psychol, 2013.

6. Devane, W.A., et al., Isolation and Structure of a Brain Constituent That Binds to the Cannabinoid Receptor. Science, 1992. 258(5090): p. 1946-1949.

7. Mechoulam R Fau – Gaoni, Y. and Y. Gaoni, Hashish. IV. The isolation and structure of cannabinolic cannabidiolic and cannabigerolic acids. Tetrahedron, 1965.

8. Ben-Zvi Z Fau – Mechoulam, R. and R. Mechoulam, Synthesi of delta-1, and delta-1 (6) tetrahydrocannabinol metabolites. Tetrahedron, Lett, 1970.

9. Abrahamov, A., R. Abrahamov A Fau – Mechoulam, and R. Mechoulam, An efficient new cannabinoid antiemetic in pediatric oncology. Life, Sci, 1995.

10. Ben-Shabat, S., et al., An entourage effect: inactive endogenous fatty acid glycerol esters enhance 2-arachidonoyl-glycerol cannabinoid activity. European Journal of Pharmacology, 1998. 353(1): p. 23-31.

11. pubmed, online access: December 1st 2025, 10:59.

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