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Medizinische Cannabis-Sorten

Vielen ist bekannt, dass medizinisches Cannabis ein Arzneimittel ist, das bei zahlreichen Erkrankungen eingesetzt werden kann. Weniger bekannt ist jedoch, dass es verschiedene Sorten von medizinischem Cannabis gibt, die unterschiedlich wirken und dadurch bei unterschiedlichen Erkrankungen eingesetzt werden können. Etwa 700 Varietäten sind benannt und beschrieben worden (1). Welche Cannabis-Sorte für einen Patienten am besten geeignet ist, hängt von Faktoren wie dem Cannabinoid- und Terpenprofil der Sorte und der zu behandelnden Erkrankung ab.

Was ist eine medizinische Cannabis-Sorte?

Eine Cannabis-Sorte kann entweder als eine reine oder hybride Variante einer Pflanze aus der Pflanzengattung Cannabis definiert werden, die landläufig in die Arten Cannabis sativa, Cannabis indica und Cannabis ruderalis eingeteilt wird. Auch wenn bereits etwa 700 Varietäten beschrieben worden sind, wird die Gesamtzahl kontrovers diskutiert (1). Hybride Sorten, die über mehrere Generationen gezüchtet und stabilisiert werden, können dabei zu einer eigenen neuen Sorte werden. Daher schätzen einige Datenbanken, dass die Gesamtzahl der Sorten bis zu 3.600 betragen könnte (2). Die gemeinhin verwendeten Begriffe “Sorte” und “Varietät” sind nicht die genauesten, in den botanischen Wissenschaften wird daher eher der Begriff “Kultivar” verwendet (3).

Vielleicht haben Sie auch schon gehört, dass die Namen Sativa, Indica und Hybrid als Klassifizierungssystem verwendet werden, um die Wirkung von Cannabis-Sorten zu beschreiben. Sativa-Sorten wird nachgesagt, dass sie belebend und energetisierend seien und helfen würden, die Kreativität und den Fokus zu steigern, während Indica-Sorten typischerweise mit eher körperlichen Effekten in Verbindung gebracht werden, wie z.B. der Steigerung der Tiefenentspannung und der Verringerung von Schlaflosigkeit. Hybriden Sorten schreibt man eine Mischung aus beidem zu. Diese Klassifizierung wird jedoch im Allgemeinen von den wissenschaftlichen Fachkreisen nicht akzeptiert, da dieses Klassifizierungssystem, abgesehen von den Hinweisen auf die physikalischen Eigenschaften und Physiologie einer Pflanze, nicht sehr hilfreich in Bezug auf die chemische Zusammensetzung ist. Es gibt derzeit keine identifizierbaren biochemischen Merkmale, die eine Einteilung in Indica, Sativa und Hybrid unterstützen würden. Ein zuverlässigeres Klassifizierungssystem ist das Cannabinoid und Terpen Profil.(4)

Cannabinoide

Cannabinoide, in diesem Fall auch bezeichnet als Phytocannabinoide, also Cannabinoide pflanzlichen Ursprungs, sind eine breite Gruppe von Wirkstoffen in Cannabis, die unterschiedliche chemische Strukturen und pharmakologische Funktionen haben. Sie werden hauptsächlich in den Drüsentrichomen der Pflanze produziert. Bisher sind etwa 120 identifiziert und beschrieben (5). Diese Cannabinoide sind den körpereigenen Endocannabinoiden chemisch ähnlich, was es ihnen ermöglicht, mit den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems (ECS) zu interagieren. Das ECS ist ein Nervenzellen modulierendes System, das eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Signalen zwischen Zellen und im zentralen Nervensystem spielt. Dazu gehören CB1– und CB2-Rezeptoren, die im Körper bzw. in Immunzellen zu finden sind (6). Die beiden bekanntesten und am besten erforschten Cannabinoide sind THC und CBD, aber auch andere Cannabinoide werden derzeit auf ihre einzigartigen Wirkungen untersucht.

Tetrahydrocannabinol (THC)

Δ-9-Tetrahydrocannabinol, auch bekannt als THC und Dronabinol, ist die Hauptquelle der psychotropen Effekte, die mit dem Cannabiskonsum verbunden sind (7). Es bindet an die CB1– und CB2-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems, und kann dadurch neben anderen Effekten den Appetit anregen und die Muskulatur entspannen. 

Cannabidiol (CBD)

CBD, Cannabidiol, ist dagegen nicht psychoaktiv und sein biologischer Wirkmechanismus nicht vollständig geklärt. Trotz seiner geringen Affinität zu CB1– und CB2-Rezeptoren wurde gezeigt, dass CBD die Wirkung von THC durch Antagonisierung dieser Rezeptoren beeinflussen und dadurch Nebenwirkungen von THC reduzieren kann (7). Die Liste der Beschwerden, bei denen CBD helfen kann, wird immer länger. Jedoch ist noch weitere Forschung nötig, um die Wirksamkeit und die Bandbreite der Vorteile von CBD besser zu verstehen.

Weitere Cannabinoide

Neben CBD und THC gibt es weitere Cannabinoide, die in letzter Zeit aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften von Wissenschaftlern genauer unter die Lupe genommen wurden. Dazu gehören CBC, Cannabichromen, das antidepressive und schmerzlindernde Wirkungen zu haben scheint (8,9), CBG, Cannabigerol, das nachweislich antimykotische und antibakterielle Wirkungen besitzt (10), und CBN, Cannabinol, das krampflösende Eigenschaften hat und möglicherweise bei der Behandlung von Verbrennungen therapeutisch einsetzbar ist (11,12).

Terpene

Bei den Terpenen handelt es sich um unterschiedliche chemische Verbindungen, die meist von Pflanzen als sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe gebildet werden. Sie sind die Hauptbestandteile von ätherischen Ölen, die etwa Cannabis seinen einzigartigen, unverwechselbaren Geruch verleihen. Einige werden als Lebensmittelzusatzstoffe genutzt, während andere nachweislich eine psychoaktive Wirkung haben. Interessanterweise teilen sich Terpene einen chemischen Vorläufer mit Cannabinoiden. Die Kombination aus Cannabinoiden und Terpenen kann nach Hinweisen aus der Literatur therapeutische vorteilhaft sein(13). Über 100 Terpene wurden in Cannabis gefunden, wie z.B. Myrcen, das am häufigsten vorkommende Terpen, sowie Limonen, bekannt für seinen zitrusartigen Geruch, und Linalool, das einen blumigen Geruch verbreitet. Die Kombination verschiedener Terpene sorgt für die einzigartigen Aromen der verschiedenen medizinischen Cannabis-Sorten.(14)

Kombiniert mit den Cannabinoiden entfalten Terpene synergetische Effekte und Wechselwirkungen, über die seit einigen Jahrzehnten spekuliert wird. Diese Phytocannabinoid-Terpen-Synergie, die gemeinhin als „Entourage-Effekt“ bezeichnet werden, könnte die Funktionalität der medizinischen Eigenschaften von Cannabis und möglicherweise auch seine Wirksamkeit erhöhen.(15)

Welche medizinischen Cannabis-Sorten gibt es in der Apotheke?

Trotz der großen Vielfalt an medizinischen Cannabis-Sorten gibt es im Allgemeinen 3 Kategorien, in die die Sorten eingeteilt werden können:

  • Sorten mit hohem THC- und niedrigem CBD-Gehalt (z.B. 10-30% THC, Spuren von CBD)
  • Sorten mit hohem CBD- und niedrigem THC-Gehalt (z. B. 5-20% CBD, THC unter 5%)
  • Sorten mit ausgeglichenem CBD- und THC-Verhältnis (z. B. 5-15% THC und 5-15% CBD)

Zu den medizinischen Cannabis-Sorten mit hohem THC- und niedrigem CBD-Gehalt gehören White Lemon, White Widow und Hindu Kush. Zu den Sorten mit hohem CBD- und niedrigem THC-Gehalt gehören God Bud und Cannatonic. Zu den Sorten mit einem ausgewogenen CBD- und THC-Verhältnis, manchmal auch 1:1-Sorten genannt, gehören Equiposa und Warlock CBD.(16,17)

Welche medizinische Cannabis-Sorte ist für wen geeignet?

Welche Sorten von Cannabis für die medizinische Verwendung am besten geeignet sind, hängt von der chemischen Zusammensetzung der Pflanze und der zu behandelnden Erkrankung des Patienten ab. Die Cannabinoid- und Terpenprofile eignen sich am ehesten als Klassifizierung, um zwischen den Hunderten, möglicherweise Tausenden von Cannabis-Sorten zu differenzieren. Letztendlich liegt die Entscheidung, welche Sorte am vorteilhaftesten ist und daher zur Anwendung kommen soll, immer beim behandelnden Arzt.

 

1.           Gloss D. An Overview of Products and Bias in Research. Neurotherapeutics. 2015 Oct;12(4):731–4.

2.           Explore marijuana strains for 4/20 [Internet]. Leafly. [cited 2021 Apr 26]. Available from: https://www.leafly.com/strains/lists

3.           Brickell CD, Alexander C, David J, Hetterscheid W, Leslie AC, Malécot V, et al. International Code of Nomenclature for Cultivated Plants. 8th edition. [Scripta Horticulturae 10]. Vol. 151, Regnum Vegetabile. 2009.

4.           Hazekamp A, Fischedick JT. Cannabis – from cultivar to chemovar. Drug Test Anal. 2012;4(7–8):660–7.

5.           Mehmedic Z, Chandra S, Slade D, Denham H, Foster S, Patel AS, et al. Potency trends of Δ9-THC and other cannabinoids in confiscated cannabis preparations from 1993 to 2008. J Forensic Sci. 2010 Sep;55(5):1209–17.

6.           Lu H-C, Mackie K. An introduction to the endogenous cannabinoid system. Biol Psychiatry. 2016 Apr 1;79(7):516–25.

7.           Schurman LD, Lu D, Kendall DA, Howlett AC, Lichtman AH. Molecular Mechanism and Cannabinoid Pharmacology. Handb Exp Pharmacol. 2020;258:323–53.

8.           Davis WM, Hatoum NS. Neurobehavioral actions of cannabichromene and interactions with delta 9-tetrahydrocannabinol. Gen Pharmacol. 1983;14(2):247–52.

9.           El-Alfy AT, Ivey K, Robinson K, Ahmed S, Radwan M, Slade D, et al. Antidepressant-like effect of delta9-tetrahydrocannabinol and other cannabinoids isolated from Cannabis sativa L. Pharmacol Biochem Behav. 2010 Jun;95(4):434–42.

10.         Nachnani R, Raup-Konsavage WM, Vrana KE. The Pharmacological Case for Cannabigerol. J Pharmacol Exp Ther. 2021 Feb;376(2):204–12.

11.         Qin N, Neeper MP, Liu Y, Hutchinson TL, Lubin ML, Flores CM. TRPV2 is activated by cannabidiol and mediates CGRP release in cultured rat dorsal root ganglion neurons. J Neurosci Off J Soc Neurosci. 2008 Jun 11;28(24):6231–8.

12.         Turner CE, Elsohly MA, Boeren EG. Constituents of Cannabis sativa L. XVII. A review of the natural constituents. J Nat Prod. 1980 Apr;43(2):169–234.

13.         Russo EB. Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. Br J Pharmacol. 2011 Aug;163(7):1344–64.

14.         Sommano SR, Chittasupho C, Ruksiriwanich W, Jantrawut P. The Cannabis Terpenes. Molecules [Internet]. 2020 Dec 8 [cited 2021 Apr 26];25(24). Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7763918/

15.         Ferber SG, Namdar D, Hen-Shoval D, Eger G, Koltai H, Shoval G, et al. The “Entourage Effect”: Terpenes Coupled with Cannabinoids for the Treatment of Mood Disorders and Anxiety Disorders. Curr Neuropharmacol. 2020 Feb;18(2):87–96.

16.         Cannabis Apotheke® – informieren, reservieren, bestellen [Internet]. [cited 2021 Jul 7]. Available from: https://cannabis-apotheke.de/

17.         Cannabis-Blüten Versorgung [Internet]. [cited 2021 Jul 7]. Available from: https://www.marien-apotheke-siegsdorf.de/unser-service/cannabis-als-arzneimittel.html

Alhasan Abdulghani info@drapalin.de
Alhasan Abdulghani 02/12/2021
How to buy medicinal cannabis in Germany?
Since the “Cannabis as Medicine” law came into force on March 10, 2017, the prescription of cannabis for therapeutic purposes has been legal in Germany. With the guidance of a doctor, patients can obtain a prescription for medicinal cannabis and thus receive and use medicinal cannabis in various forms.
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