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Männliche und weibliche Cannabispflanzen

Die natürliche Vermehrung von Cannabispflanzen erfolgt über Bestäubung und Befruchtung. Dabei produzieren die männlichen Cannabispflanzen den Pollen, der die weiblichen Cannabispflanzen befruchtet und sie dazu bringt, Samen zu produzieren. 

Beim Anbau von medizinischem Cannabis besteht das Hauptziel jedoch darin, die Ernte von Cannabisblüten zu maximieren. Da nur weibliche Cannabispflanzen Cannabinoid-reiche Cannabisblüten hervorbringen können, müssen die Anbauer ihr Bestes tun, um eine Bestäubung zwischen männlichen und weiblichen Pflanzen zu verhindern, die das Blütenwachstum behindern, den Ertrag verringern und zur Bildung von Samen führen kann, einem unerwünschten Nebenprodukt bei medizinischem Cannabis.

In diesem Artikel werden die Merkmale männlicher und weiblicher Cannabispflanzen beschrieben, das interessante Phänomen der zwittrigen Cannabispflanzen vorgestellt sowie verschiedene Möglichkeiten zur Unterscheidung der beiden Geschlechter benannt.

Männliche Cannabispflanzen

Männliche Cannabispflanzen enthalten im Gegensatz zu weiblichen Pflanzen nur eine sehr geringe Menge an THC und sind aus diesem Grund für die Herstellung von Medizinalcannabis nicht interessant.  Der Grund für diesen Unterschied ist, dass die männlichen Pflanzen anstelle von Knospen Pollensäcke bilden. Diese sehen aus wie Kugeln von der Größe einer Weintraube und sind mit Pollen gefüllt. Mit der Zeit können sich diese Pollensäcke öffnen und die weiblichen Pflanzen befruchten. Genau das versuchen die Anbauer von Cannabis, mit dem primären Ziel potente weibliche Blüten zu erzeugen, zu vermeiden.

Ein weiteres Merkmal männlicher Cannabispflanzen ist, dass sie höher wachsen als weibliche Cannabispflanzen. Dies ist aus evolutionärer Sicht sinnvoll, da eine größere männliche Pflanze potenziell mehr weibliche Pflanzen mit ihrem Pollen erreichen kann. Außerdem wachsen männliche Cannabispflanzen schneller als weibliche Pflanzen. Schon in der zweiten Woche sollen die männlichen Cannabispflanzen größer sein als die weiblichen. Im Gegensatz zu weiblichen Pflanzen haben männliche Pflanzen auch weniger Blätter, dafür aber einen dickeren und stabileren Stängel. Daher werden männliche Cannabispflanzen auch industriell bspw. als Nutzhanf angebaut. Aufgrund ihres dicken Stängels eignen sie sich besonders gut für die Gewinnung von Hanffasern, die wiederum in der Papier-, Textil- oder auch  in der Automobilindustrie verwendet werden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass männliche Cannabispflanzen durch die folgenden physischen Merkmale gekennzeichnet sind:

  • Größere Höhe als weibliche Pflanzen
  • Weniger Blätter als weibliche Pflanzen
  • Das Vorkommen von Pollensäcken
  • Dickere Stängel als weibliche Pflanzen

Weibliche Cannabispflanze

Im Hinblick auf Medizinalcannabis spielen weibliche Cannabispflanzen die Hauptrolle: nur ihre Blüten enthalten das Cannabinoid THC in ausreichend großen Mengen. Im Gegensatz zu männlichen Cannabispflanzen wachsen weibliche Cannabispflanzen jedoch langsamer. Das bedeutet, dass sie erst nach etwa vier bis sechs Wochen zu blühen beginnen. Die Vorblüte ist eine kleine runde Struktur mit ein paar weißen Haaren, die gemeinhin als “Stempel” bezeichnet wird. Diese Vorblüten wachsen schließlich zu den Cannabinoid-reichen Knospen heran. 

Das auffälligste Merkmal weiblicher Cannabispflanzen ist die harzige Blüte, welche mit feinen Drüsenhaaren, den Trichomen, übersäht ist. Diese Trichome können je nach Wachstumsbedingungen in verschiedenen Farben, von weiß über orange bis lila, auftreten. Für medizinisches Cannabis werden diese mit Trichomen besetzten Blüten schließlich in streng kontrollierten Prozessen weiterverarbeitet und letztendlich in getrockneter Form über die Apotheken an die Patienten abgegeben.  

Im Gegensatz zu männlichen Pflanzen haben weibliche Cannabispflanzen schlankere Stängel und mehr Blätter. Außerdem wachsen sie nicht so hoch wie männliche Pflanzen. Evolutionär ist es von Vorteil, kleiner als die männlichen Pflanzen zu sein, verbessert dies doch das „Einfangen“ von Pollen der deutlich größeren männlichen Pflanzen erheblich. Schließlich ist das Ziel der Befruchtung die Arterhaltung. 

Nur ist dies im Falle der Gewinnung von Medizinalcannabis nicht das originäre Ziel. Die Vermehrung einer einmal selektierten Cannabispflanze zur Gewinnung von Medizinalcannabis erfolgt durch Stecklinge und nicht wie in der Natur durch eine sexuelle Fortpflanzung über männliche Sexualorgane auf männlichen und weibliche Sexualorganen auf weiblichen Pflanzen. Eine sexuelle Fortpflanzung würde den Selektionsprozess hinfällig machen, da am Ende neue Pflanzen mit andern Eigenschaften entstehen würden. Konsequenz wäre, dass man einen Selektionsprozess neu starten müsste. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass weibliche Cannabispflanzen durch die folgenden physischen Merkmale gekennzeichnet sind:

  • Schlankere Stängel als männliche Pflanzen
  • Mehr Blätter als männliche Pflanzen 
  • Geringere Höhe als männliche Pflanzen
  • Harzige Blüten mit kleinen Drüsenhaaren (Trichome)

Zwitter-Cannabispflanzen

Ein interessantes Phänomen ist die Bildung von zwittrigen Cannabispflanzen. Das bedeutet, dass eine Cannabispflanze sowohl männliche als auch weibliche Teile (Sexualorgane) entwickelt, also sowohl Pollensäcke als auch Blüten. Eine solche Pflanze stellt ein großes Problem für die Produzenten von Cannabisblüten dar, da eine zwittrige Pflanze sich selbst und andere Pflanzen bestäuben kann, was den Ertrag verringert und dazu führt, dass sich Samen in den Cannabisblüten entwickeln.

Eine zwittrige Pflanze kann sich bilden, wenn eine weibliche Cannabispflanze ungewöhnlich stressigen Wachstumsbedingungen ausgesetzt ist. Zu solchen Stressoren gehören ungeeignete Umweltfaktoren wie bspw. zu viel/zu wenig Licht, extreme Hitze und Nährstoffmängel, aber auch gewisse Chemikalien. Daher ist es für die Züchter von größter Bedeutung, Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und pH-Wert genau zu überwachen und das Eindringen irgendwelcher chemischen Stoffe konsequent zu unterbinden, um optimale Wachstumsbedingungen für die einmal selektierten Pflanzen zu gewährleisten. 

Wie man weibliche und männliche Cannabispflanzen identifiziert

Für die Herstellung von Medizinalcannabis ist es wichtig, zwischen männlichen und weiblichen Pflanzen unterscheiden zu können. Wenn eine männliche Pflanze in einem großen Cannabisfeld schnell identifiziert und entfernt wird, trägt dies dazu bei, eine ungewollte Bestäubung und damit Ertragsminderung zu vermeiden. Solche künstlichen Umgebungen stehen im Gegensatz zur Natur, wo männliche und weibliche Cannabispflanzen gleich häufig vorkommen.

Die Beurteilung des Geschlechts einer Cannabispflanze ist insbesondere ein visueller Prozess. Die Differenzierung der jeweiligen Geschlechtsmerkmale beginnt früh im Lebenszyklus der Pflanze. Bereits nach zwei Wochen ist zu erkennen, dass die männlichen Pflanzen größer sind und schneller wachsen als die weiblichen. In den ersten vier Wochen kann man zudem beobachten, ob eine Cannabispflanze Pollensäcke oder Vorblüten entwickelt. Normalerweise entwickeln die männlichen Pflanzen Pollensäcke bevor die weiblichen Pflanzen Blüten entwickeln. Außerdem haben die weiblichen Pflanzen mehr Blätter und erscheinen “buschiger” als die männlichen Pflanzen. Insgesamt wird die Bestimmung des Geschlechts nach etwa sechs Wochen einfacher, wenn die Pflanzen bereits gewachsen sind.

Schlussfolgerungen

Ganz allgemein spielt das Geschlecht einer Cannabispflanze eine wichtige Rolle hinsichtlich ihrer Verwendung. Zur Produktion von medizinischem Cannabis werden ausschließlich weibliche Cannabispflanzen verwendet. Daher muss beim Anbau sichergestellt werden, dass sie von männlichen Pflanzen getrennt sind, um eine Bestäubung zu vermeiden.  Ferner müssen optimale Wachstumsbedingungen herrschen, um die Bildung von Zwittern zu verhindern. Nur so kann hochwertiges medizinisches Cannabis produziert und schließlich den Patienten zur Verfügung gestellt werden.

Quellen:

Goff, N. K., Guenther, J. F., Roberts, J. K., Adler, M., Molle, M. D., Mathews, G., & Kurouski, D. (2022). Non-Invasive and Confirmatory Differentiation of Hermaphrodite from Both Male and Female Cannabis Plants Using a Hand-Held Raman Spectrometer. Molecules 2022, 27(15), 15. https://doi.org/10.3390/molecules27154978

Marijuana plant anatomy and life cycles. (n.d.). Leafly. Retrieved October 28, 2022, from https://www.leafly.com/learn/growing/marijuana-plant-anatomy

Nagy, D. U., Cianfaglione, K., Maggi, F., Sut, S., & Dall’Acqua, S. (2019). Chemical Characterization of Leaves, Male and Female Flowers from Spontaneous Cannabis (Cannabis sativa L.) Growing in Hungary. Chemistry & Biodiversity, 16(3), e1800562. https://doi.org/10.1002/cbdv.201800562

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