Darreichungsformen von medizinischem Cannabis - DRAPALIN Pharmaceuticals GmbH
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Darreichungsformen von medizinischem Cannabis

Medizinisches Cannabis kann in unterschiedlichen Darreichungsformen angewendet werden. Die Wahl der Form beeinflusst nicht nur die Handhabung und den Wirkungseintritt, sondern auch die Pharmakokinetik (was macht Körper mit einer Substanz) sowie die Pharmakodynamik (was macht Substanz mit dem Körper). Je nachdem wie Cannabis angewendet wird, unterscheiden sich Wirkdauer, Intensität und Nebenwirkungsprofil deutlich.

Grundsätzlich lassen sich die Darreichungsformen in folgende Gruppen einteilen:

  1. Inhalativ: vaporisieren, rauchen
  2. Enterale Anwendung: oral (über den Mund; Tabletten, Tropfen/Öle, Kapseln, Edibles)
  3. Mukosale Anwendung: oro-mukosal (über die Schleimhaut des Mundes; Sprays, Sublingual- oder Bukkaltropfen), intranasal
  4. Lokale und Transdermale Anwendung: Cremes, Salben, Pflaster
  5. Rektale und Vaginale Anwendung: Zäpfchen
  6. Parenterale Anwendung (Verabreichung einer Injektion; bei Medizinalcannabis selten relevant): subkutan, intravenös und intramuskulär

Im Folgenden werden die wichtigsten Darreichungsformen von medizinischem Cannabis im Detail vorgestellt.

1. Inhalation

Inhalation bezeichnet die Aufnahme von Wirkstoffen durch Einatmen über die Atemwege, wodurch sie direkt in den Körper gelangen.

1.1 Vaporisieren

Vaporizer gelten als die eigentliche medizinische Anwendung zum Inhalieren von Medizinalcannabis. Sie sind so konzipiert, dass Anwender die aktiven Cannabinoide inhalieren können, ohne Rauch einzuatmen. Beim Vaporisieren (auch „Vaping“ genannt) wird das Cannabis bei niedrigeren Temperaturen (160-210 °C) erhitzt als beim Rauchen, knapp unterhalb des Verbrennungspunktes, sodass kein Rauch entsteht. Sowohl Cannabisblüten als auch Cannabisöl können verdampft werden [1].

Wie beim Rauchen ist beim Vaporisieren ein Wirkungseintritt nach 30-60 Sekunden spürbar und erreicht sein Maximum nach 5-15 Minuten. Die Wirkungsdauer beträgt in der Regel 30 Minuten bis 3 Stunden [2].

Wie wird Cannabis vaporisiert?

Cannabisblüten oder Cannabisöl werden in einem Vaporizer erhitzt.

Vorteile Vaporisieren gegenüber Rauchen:

Inhalation Anwendungsform von CannabisDurch das Verdampfen werden wesentlich weniger reizende Partikel inhaliert, wodurch Entzündungen und Schäden an der Lungenoberfläche deutlich reduziert werden. Viele Patienten, die gerauchtes Cannabis als stark reizend empfinden, berichten, dass sie durch die Inhalation mit einem Vaporizer effektive Linderung erfahren. Zudem entstehen beim Verdampfen weniger Toxine. Kohlenmonoxid wird reduziert, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) werden jedoch nicht vollständig eliminiert und es treten deutlich weniger pulmonale Symptome auf. Passivrauchen ist aufgrund des fehlenden Side-Stream-Rauchs ebenfalls weniger problematisch [1].

Ein wesentlicher Vorteil sowohl des Vaporisierens als auch des Rauchens besteht darin, dass die aktiven Inhaltsstoffe schnell über das stark durchblutete Lungengewebe in den Blutkreislauf gelangen und so den sogenannten „First-Pass-Effekt“ der Leber umgehen. Der Abbau der Cannabinoide tritt erst bei einer späteren Leberpassage ein. Dadurch setzt die Wirkung schneller ein als bei oraler Einnahme [3]. Dies ist besonders nützlich bei akuten Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen, bei denen eine schnelle Wirkung erwünscht ist. Für chronische Erkrankungen, bei denen eine längere Wirkungsdauer erforderlich ist, kann hingegen die orale Einnahme sinnvoller sein.

Ein weiterer Vorteil des Vaporisierens liegt in der gleichmäßigen Verteilung der Cannabinoide über die gesamte Atemwegsschleimhaut, einschließlich entzündeter Nasen- und Nebenhöhlen sowie des Rachens, abhängig von der verwendeten Atemtechnik. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die antibakteriellen und antiviralen Eigenschaften der Cannabinoide die Pathogenlast reduzieren und möglicherweise das Eindringen von Krankheitserregern in den Körper verhindern können [1, 4].

Nachteil der Inhalation:

in Nachteil der Inhalation von Cannabis ist die Belastung der Atemwege. Beim Verdampfen können Reizungen von Mund, Hals und Bronchien auftreten, beim Rauchen zusätzlich schädliche Verbrennungsprodukte. Zudem wirkt die Inhalation zwar sehr schnell, hält aber nur relativ kurz an, sodass häufig nachdosiert werden muss. Für Patienten mit Lungenerkrankungen oder empfindlichen Atemwegen ist diese Einnahmeform daher oft ungeeignet.

1.2 Rauchen

Das Rauchen von Cannabis ist eine der schnellsten Möglichkeiten, die Wirkstoffe aufzunehmen und eine spürbare Wirkung zu erzielen. Es ist keine der typischen medizinischen Anwendungen eines Arzneimittels, wenngleich es in der Geschichte der Medizin und Pharmazie durchaus auch „offiziell“ schon Zigaretten zum medizinischen Einsatz gegeben hatte. Beim Rauchen gelangen die aktiven Inhaltsstoffe direkt über die Schleimhäute der Lunge in den Blutkreislauf, ohne dass sie erst den Verdauungstrakt passieren müssen. Die Effekte auf das zentrale Nervensystem und den Körper setzen bereits innerhalb weniger Minuten ein. Bei oraler Einnahme – zum Beispiel als Öl, Kapsel oder Essware – kann es hingegen mehrere Stunden dauern, bis die Wirkung eintritt [3].

Schnelle Dosierungskontrolle

Ein großer Vorteil des Rauchens ist (sowie auch beim Vaporisieren), dass die Dosierung leicht kontrolliert werden kann. Die Wirkung ist meist innerhalb von 30-60 Sekunden spürbar und erreicht ihr Maximum nach 5-15 Minuten. Die Wirkungsdauer beträgt in der Regel 30 Minuten bis 3 Stunden [2]. Das ist besonders vorteilhaft, wenn akute Beschwerden, wie akute Schmerzen, Spastik, oder Erbrechen schnell gelindert werden sollen.

Wie wird Cannabis geraucht?

Cannabis kann auf unterschiedliche Weise geraucht werden:

  • Joints – die „klassische“ Cannabis-Zigarette
  • Pfeifen
  • Bongs

Studien zeigen, dass das Rauchen die am häufigsten genutzte Methode für medizinische Selbstmedikation ist [5]. Dabei gehen jedoch etwa 30-50 % des Cannabis als sogenannter „Side-Stream“-Rauch verloren [1]. Erfahrenere Patienten bevorzugen diese Anwendung gelegentlich gegenüber der Vaporisation [persönliche Kommunikation eines ADHS-Patienten].

Verbrennungs- und Gesundheitsrisiken

Beim Rauchen entstehen hohe Temperaturen von 600-900 °C. Dabei werden auch Schadstoffe wie Teer und PAK freigesetzt. Diese Stoffe können Husten, Bronchitis und vermehrte Schleimbildung verursachen. Bisher gibt es jedoch keine klinische Evidenz dafür, dass das Rauchen von Cannabis direkt Lungenkrebs oder chronische Lungenerkrankungen (COPD) verursacht [4].

Vorsicht beim Mischen mit Tabak

Viele Individuen mischen Cannabis mit Tabak, insbesondere in Freizeitsettings. Das kann die Brenneffizienz verbessern und die Zigarette leichter entzündbar machen. Gleichzeitig steigt durch Tabak das Risiko für Atemwegserkrankungen, einschließlich Krebs [1].

Zudem ist es wichtig chemiefreie Blättchen aus Hanf oder Reis zu benutzen, um zusätzliche Schadstoffe zu vermeiden. Auch sollte eher langsam und bewusst geraucht werden, um die Dosierung besser zu kontrollieren.

2. Enterale Anwendung

Bei der enteralen Einnahme werden Substanzen über den Verdauungstrakt angewendet, also dem Körper zunächst über den Mund zugeführt. Später werden die aktiven Wirkstoffe, die Cannabinoide, aus dem Darm aufgenommen und von dort zur Leber transportiert, wo bereits rasch der Abbau der Wirkstoffe beginnt. Cannabis kann so beispielsweise in Form von Öl, Tabletten, Kapseln oder essbaren Produkten (sog. Edibles) zugeführt werden.

2.1 Orale Einnahme

Die orale Verabreichung (Anwendung über den Mund) führt im Vergleich zum Inhalieren zu einem deutlich langsameren Wirkungseintritt, niedrigeren maximalen Plasmaspiegeln der Cannabinoide andererseits aber zu einer längeren Dauer der pharmakodynamischen Effekte. Die Einnahme von Cannabis in Form von Kapseln oder als geschluckte Flüssigkeit bringt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich.

Aufnahme und Metabolisierung:

Da Cannabinoide fettlöslich sind, erfolgt ihre Aufnahme über den Darm langsamer und weniger vorhersehbar. Sie hängt vom individuellen Stoffwechsel sowie vom Mageninhalt ab. Nach oraler Einnahme setzt die Wirkung in der Regel innerhalb von 30-90 Minuten ein, steigert sich bis zum Maximum nach 2-4 Stunden und bleibt gewöhnlich über einen Zeitraum von 4-8 Stunden bestehen.

Darüber hinaus wird das Medikament bei oraler Einnahme zunächst in der Leber metabolisiert, bevor es in den Blutkreislauf gelangt. Dort wird THC zu einem anderen Stoff, 11-Hydroxy-THC, umgewandelt, der stärker psychoaktiv ist als THC. Folglich unterscheiden sich die Effekte von denen der Inhalation oder sublingualen Aufnahme [6].

Vorteile der oralen Einnahme:

Der Vorteil der oralen Einnahme liegt in der längeren Wirkungsdauer, sodass Patienten seltener dosieren müssen. Dies kann insbesondere für Patienten mit chronischen Erkrankungen von Vorteil sein, da durch die längere Wirkungsdauer eine kontinuierliche Symptomkontrolle ermöglicht wird. Geeignet ist die orale Einnahme beispielsweise bei grünem Star (Glaukom) zur Senkung des Augeninnendrucks, bei chronischen Schmerzen, Schlafstörungen sowie bei Langzeitsymptomatiken im Rahmen neurologischer oder onkologischer Erkrankungen [7]. Sie kann als eine Art „Retardform“ einer Cannabistherapie betrachtet werden.

Formen oraler Produkte:

Orale Anwendungsform von CannabisZu den Produkten, die oral konsumiert werden können, gehören Öle, Kapseln, Tabletten, Tinkturen, Lutschpastillen, essbare Produkte („Edibles“), das Entsaften frischer Pflanzen und Cannabis-Tees. Die orale Route bietet den Vorteil der einfachen Handhabung, und die Wirkungsdauer ist deutlich länger als beim Rauchen oder Vaporisieren, wodurch sie für die Behandlung chronischer Erkrankungen besonders geeignet sein kann. Öle und Kapseln ermöglichen eine genauere Dosierung, während Edibles (z. B. Brownies, Kekse, Gummibärchen) schwerer zu dosieren sind. Gummibärchen enthalten meist Süßungsmittel, die den Blutzuckerspiegel bei empfindlichen Personen, z. B. Diabetikern, negativ beeinflussen können.

In Deutschland sind derzeit nur standardisierte Öle, Kapseln, Tabletten verschreibungsfähig. Diese Produkte sind gemäß § 31 Abs. 6 SGB V auf ärztliche Verschreibung erhältlich und werden von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, sofern die medizinische Indikation gegeben ist [8].

Im Gegensatz dazu sind sogenannte „Edibles“ wie Kekse oder Gummibärchen mit Cannabis in Deutschland weder als Arzneimittel zugelassen noch verschreibungsfähig. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat bislang keine entsprechenden Zulassungen erteilt. Einige Patienten greifen dennoch zu selbstgebackenen Cannabis-Edibles, jedoch ist deren Anwendung weder für den medizinischen noch für den privaten Gebrauch empfehlenswert.

Nachteil der oralen Einnahme:

Ein Nachteil der oralen Einnahme von Cannabis ist die vergleichsweise geringe Aufnahme der Wirkstoffe in den Blutkreislauf, da sie schlecht wasserlöslich sind und zunächst durch die Leber metabolisiert werden (First-Pass-Effekt). Dadurch können Wirkungseintritt, Intensität und mögliche Nebenwirkungen stärker schwanken und von Person zu Person unterschiedlich sein [3].

3. Mukosale Anwendung

Mukosale Anwendung bedeutet, dass ein Medikament über die Schleimhäute des Mundes oder der Nase aufgenommen wird. Die Wirkstoffe gelangen direkt ins Blut, ohne zuerst die Leber zu passieren, wodurch die Wirkung oft schneller einsetzt als bei oraler Einnahme. Das Abbau in der Leber findet erst allmählich statt, nachdem sich die Wirkstoffe im Blut verteilt haben und erst verzögert durch die Leber geführt werden.

Unter dem Begriff „orale Verabreichung“ werden technisch sowohl die Einnahme durch Schlucken als auch die oromukosale und sublinguale (unter der Zunge) Aufnahme über die Mundschleimhaut zusammengefasst. Im Alltag versteht man unter der oralen Route meist das Schlucken von Kapseln, Ölen oder anderen Produkten, während oromukosale Formen (z. B. Sprays, sublinguale oder bukkale Tropfen) über die Mundschleimhäute und intranasale Präparate über die Nasenschleimhäute aufgenommen werden.

3.1 Oro-mukosale Aufnahme

Neben dem Inhalieren oder dem Schlucken von Ölen und Kapseln gibt es auch Verabreichungsformen, bei denen Cannabis über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Die oro-mukosale Anwendung kann sowohl bukkal, also über die Backentasche, wie auch sublingual, also unter der Zunge, erfolgen. Sie nutzt dabei die feinen Blutgefäße in der Mundhöhle, sodass die Wirkstoffe vergleichsweise schnell in den Kreislauf gelangen. Damit stellt sie eine Art Zwischenweg dar: Die Wirkung setzt nicht so rasch ein wie beim Inhalieren, aber schneller als bei geschluckten Präparaten, und hält zudem länger an als nach dem Verdampfen oder Rauchen.

Aufnahme und Metabolisierung:

Cannabis Sublingual DarstellungenEin gebräuchliches Beispiel ist ein Spray, das pro Sprühstoß etwa 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD enthält. Diese Wirkstoffe gelangen über die Mundschleimhaut direkt in den Blutkreislauf. Dadurch wird ein Teil des sogenannten First-Pass-Effekts umgangen, sprich, die Substanzen müssen nicht zunächst vollständig über die Leber abgebaut werden, wie es bei Tabletten oder Kapseln der Fall ist.

Allerdings wird ein Teil der Lösung beim Schlucken unabsichtlich mit dem Speichel verschluckt. Auch die Nahrungsaufnahme spielt eine Rolle: Je nachdem, ob und was man gegessen hat, kann sich die Aufnahme (Bioverfügbarkeit) von THC und CBD im Körper verändern.

Theoretisch wird angenommen, dass die Aufnahme von THC über die Mundschleimhaut höher ist als bei der reinen oralen Einnahme. In Studien konnte jedoch bislang kein eindeutiger Unterschied bestätigt werden [9].

Neben dem Spray gibt es auch Tinkturen auf Basis von Alkohol, Öl oder Glycerin. Diese werden meist mit einer Pipette unter die Zunge getropft. Über die Schleimhaut erfolgt die Aufnahme relativ schnell, und die Wirkung tritt in der Regel nach 5-60 Minuten ein und hält etwa 4 Stunden an. Als Einstieg empfiehlt es sich, mit wenigen Tropfen zu beginnen, mindestens eine Stunde abzuwarten und die Dosis bei Bedarf langsam zu steigern [1].

Auch Tinkturen können in Sprayflaschen angeboten werden. Hierbei wird die Flüssigkeit direkt in die Mundhöhle gesprüht, wo sie ebenfalls über die Schleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Diese Form gilt als eine Art Mittelweg zwischen Inhalation und oraler Einnahme: Sie ermöglicht eine bessere Steuerbarkeit der Dosis, reduziert den Abbau über die Leber und kann dadurch eine höhere Wirksamkeit erzielen.

Vorteile der oro-mukosalen Einnahme:

Die oro-mukosale Einnahme schont die Atemwege und ermöglicht einen schnelleren Wirkungseintritt als bei Kapseln oder Nahrungsmitteln, gleichzeitig hält die Wirkung länger an als beim Inhalieren. Da die Dosierung tropfenweise angepasst werden kann, lässt sich die Behandlung gut steuern und individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abstimmen. Besonders bei Appetitlosigkeit ist dies von Vorteil, da die Einnahme gezielt vor Mahlzeiten erfolgen kann, um den Appetit anzuregen. Zudem ist die Anwendung diskret, unkompliziert und auch bei Übelkeit oder Schluckbeschwerden gut verträglich [10].

Nachteile der oro-mukosalen Einnahme:

Der Wirkungseintritt ist zwar schneller als bei Kapseln, aber langsamer und weniger zuverlässig als beim Inhalieren. Die Aufnahme über die Mundschleimhaut kann von Patienten zu Patienten unterschiedlich sein und dadurch zu schwankenden Wirkspiegeln führen. Zudem ist die Anwendung für manche ungewohnt, da Tropfen oder Spray eine gewisse Zeit im Mund behalten werden sollten, um optimal wirken zu können. Ein weiterer Nachteil sind mögliche Reizungen der Mundschleimhaut oder ein bitterer Geschmack, der von einigen Patienten als unangenehm empfunden wird. Auch kann die Dosierung zu Beginn etwas Übung erfordern, bis die individuell passende Menge gefunden ist.

3.2 Intranasale Aufnahme

Die intranasale Applikation bezeichnet die Verabreichung von Substanzen mittels Nasensprays über die Nasenschleimhaut.

Aufnahme und Metabolisierung:

Bei der intranasalen Einnahme gelangen Wirkstoffe direkt durch die Schleimhaut in den systemischen Kreislauf, ohne den gastrointestinalen Trakt oder den First-Pass-Metabolismus in der Leber passieren zu müssen. Diese Route ist nicht-invasiv und ermöglicht eine schnelle systemische Wirkung.

In einer Studie zur intranasalen Verabreichung von CBD bei Ratten wurde eine Bioverfügbarkeit von 34-46 % festgestellt [11]. Für THC beträgt die Bioverfügbarkeit über die intranasale Route etwa 27 % [12].

Vorteile der intranasalen Einnahme:

Aufgrund der schnellen Wirkung könnte die intranasale Anwendung insbesondere für die Behandlung akuter Zustände nützlich sein, etwa bei sogenanntem „Breakthrough Pain“ (Durchbruchschmerz; plötzliche, kurzzeitige, aber sehr starke Schmerzepisoden bei chronischen Schmerzpatienten, die trotz einer ansonsten wirksamen Schmerztherapie auftreten) oder Übelkeit [13].

Nachteile der intranasalen Einnahme:

Da die meisten Cannabinoide lipophil, also fettliebend sind, ist die Passage durch die wässrige Phase des Nasengewebes erschwert. Die rasche Aufnahme von Cannabinoiden wie THC in das zentrale Nervensystem kann zudem mit verstärkten Nebenwirkungen einhergehen. Darüber hinaus besteht die Gefahr einer Reizung der Nasenschleimhaut, weshalb die intranasale Route möglicherweise weniger geeignet für eine langfristige oder chronische Anwendung ist.

4. Lokale und transdermale Anwendung

Bei der lokalen bzw. topischen Anwendung wird ein Mittel direkt auf die Haut oder den betroffenen Bereich aufgetragen, sodass es vor Ort wirkt. Bei der transdermalen Anwendung gelangt der Wirkstoff durch die Haut in den Blutkreislauf und entfaltet seine Wirkung im ganzen Körper, zum Beispiel bei Pflastern, die den Stoff langsam freisetzen.

Cannabis kann äußerlich als Salbe, Lotion oder Umschlag angewendet werden und findet Einsatz bei Hautentzündungen, Arthritis oder Muskelschmerzen. Ziel der Behandlung ist, dass das Medikament direkt am jeweiligen Ort wirkt. Zwar ist unklar, wie gut Cannabinoide über die Haut aufgenommen werden, dennoch besitzen die besser löslichen Terpenoide und Flavonoide, die in der Cannabispflanze vorkommen, ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften, die wirksam sein können [14].

Vorteile der lokalen Anwendung:

Ein Vorteil der transdermalen Verabreichung ist, dass sie leicht anzuwenden ist, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Patienten die Behandlung regelmäßig einhalten. Außerdem umgeht sie den hepatischen First-Pass-Effekt sowie den Abbau der Cannabinoide durch Enzyme im Darm, wodurch die Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe im Vergleich zu oralen Präparaten erhöht wird. Transdermale Pflaster stellen einen vielversprechenden Verabreichungsweg dar, da sie möglicherweise einen konstanten therapeutischen Wirkspiegel erreichen können, was besonders bei chronischen Schmerzen nützlich ist [15].

Nachteile der lokalen Anwendung:

Cannabis Pflaster und CremesZu den Nachteilen zählen, dass nicht alle Wirkstoffe ausreichend über die Haut aufgenommen werden und die Bioverfügbarkeit stark von der Formulierung abhängt. Zudem kann die Hautbarriere die Aufnahme lipophiler Substanzen wie THC erschweren, und es besteht die Möglichkeit einer Hautreizung bei langfristiger Anwendung [15].

Neuere Technologien, wie die Verwendung von Nano- oder ionisierten Partikeln oder die Zugabe von Omega-Fetten im Trägeröl, könnten die Aufnahme verbessern. Bei topischen Präparaten könnten Inhaltsstoffe, die die Hautbarriere leicht aufbrechen, die Absorption des Wirkstoffs erhöhen. Eine detaillierte Diskussion hierzu ist derzeit jedoch aufgrund fehlender empirischer Forschung nicht möglich [16].

Am bekanntesten ist wahrscheinlich der aufkommende Markt für topische Cannabisprodukte. Diese Produkte können THC- oder CBD-dominant sein und umfassen Lotionen, Balsame, Cremes, Salben, Gele und Pflaster [17].

5. Rektale und Vaginale Anwendung

Bei der rektalen oder vaginalen Einnahme wird ein Wirkstoff über den Enddarm (Rektum) oder die Scheide (Vagina) aufgenommen. Das bedeutet, dass ein Zäpfchen direkt in den entsprechenden Körperbereich eingeführt wird. Von dort gelangt der Wirkstoff direkt in den Blutkreislauf, ohne zuerst durch Magen und Leber zu müssen. Dadurch wird ein großer Teil der Wirkstoffe erhalten, der bei oraler Einnahme oft abgebaut würde.

Cannabis-Zäpfchen werden in der Regel aus Cannabis-Öl hergestellt, das in Kokosöl oder Kakaobutter gelöst ist. Sie können für Patienten sinnvoll sein, die Schwierigkeiten haben, Tabletten oder Kapseln zu schlucken, oder für diejenigen, die eine schnellere Wirkung benötigen.

Vorteile der rektalen/vaginalen Anwendung:

Ein wichtiger Vorteil der rektalen oder vaginalen Einnahme ist, dass der sogenannte First-Pass-Effekt vermieden wird. Normalerweise wird ein großer Teil des THC im Magen und in der Leber abgebaut oder in eine andere, stärker psychoaktive Form umgewandelt. Bei der rektalen Aufnahme gelangt dagegen mehr unverändertes THC direkt in den Blutkreislauf. Dies erhöht die sogenannte Bioverfügbarkeit, also die Menge des Wirkstoffs, die tatsächlich im Körper zur Verfügung steht [13].

Studien zeigen, dass spezielle Formen wie THC-Hemisuccinat über den Rektalweg besonders gut aufgenommen werden. THC-Hemisuccinat ist ein chemisch abgewandeltes, wasserlösliches THC-Derivat (ein Prodrug), das entwickelt wurde, um die Verabreichung von THC – vor allem als Arzneimittel – einfacher und effizienter zu machen. Bei Menschen führten Dosen von 2,5 bis 5 mg THC-Hemisuccinat innerhalb von 2 bis 8 Stunden zu messbaren THC-Werten im Blut, die höher lagen als bei vergleichbarer oraler Einnahme. Dies bedeutet, dass die Wirkung schneller einsetzt und stärker sein kann. Außerdem können die Wirkstoffe gleichmäßiger wirken, was besonders bei chronischen Schmerzen oder Übelkeit hilfreich ist [18].

Nachteile der rektalen/vaginalen Anwendung:

Ein Nachteil dieser Einnahmeform ist, dass sie für manche Menschen ungewohnt oder unangenehm sein kann. Außerdem gibt es bislang nur wenige Studien, die die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit von Cannabis-Zäpfchen untersucht haben. Trotzdem entscheiden sich viele Patienten, insbesondere mit Krebs, für diese Methode, weil sie eine schnelle Linderung innerhalb von etwa 15 Minuten ermöglichen kann [19].

Insgesamt ist die rektale oder vaginale Einnahme eine interessante Option, um Cannabis gezielt und effizient aufzunehmen. Sie kann eine Alternative oder Ergänzung zu oralen oder anderen Verabreichungsformen darstellen, besonders wenn eine schnelle Wirkung oder eine höhere Bioverfügbarkeit gewünscht wird.

6. Parenterale Anwendung

Parenterale Anwendung bedeutet, dass ein Wirkstoff direkt in den Körper eingeführt wird, zum Beispiel durch Injektionen unter die Haut (subkutan), in den Muskel (intramuskulär) oder in eine Vene (intravenös). Dadurch wird der Wirkstoff sofort in den Blutkreislauf aufgenommen, ohne den Verdauungstrakt oder die Leber passieren zu müssen.

Bei medizinischem Cannabis ist die parenterale Anwendung im klinischen Alltag jedoch praktisch nicht relevant. Es gibt derzeit keine zugelassenen parenteralen Cannabispräparate für die reguläre Patientenversorgung. Die Methode wird vor allem in der Forschung eingesetzt, um die Aufnahme, Verteilung und Wirkung von THC und anderen Cannabinoiden im Körper zu untersuchen. Parenterale Studien liefern wertvolle Informationen über die Pharmakokinetik und Bioverfügbarkeit, haben aber für die praktische Behandlung von Patienten nur eine geringe Bedeutung [20].

Fazit:

Medizinisches Cannabis kann auf unterschiedliche Weise angewendet werden, und jede Darreichungsform beeinflusst, wie schnell und wie stark die Wirkung einsetzt, wie lange sie anhält und welche Nebenwirkungen auftreten können. Die Wahl der geeigneten Form hängt von den individuellen Bedürfnissen des Patienten, der gewünschten Wirkung und der Verträglichkeit ab. Während einige Formen besonders schnell wirken, bieten andere eine längere Wirkungsdauer oder eine höhere Bioverfügbarkeit. Letztlich muss die Darreichungsform gemeinsam mit dem behandelnden Arzt anhand der vorliegenden Erkrankung ausgewählt werden, um die bestmögliche Symptomkontrolle bei möglichst wenigen Nebenwirkungen zu erreichen.

Quellen

 

  1.  MacCallum, C.A. and E.B. Russo, Practical considerations in medical cannabis administration and dosing. Eur, J. Intern Med, 2018. 
  2. Spindle, T.R., et al., Acute Effects of Smoked and Vaporized Cannabis in Healthy Adults Who Infrequently Use Cannabis: A Crossover Trial. JAMA Network Open, 2018. 1(7): p. e184841-e184841.
  3. McGilveray, I.J., Pharmacokinetics of cannabinoids. Pain Res, Manag, 2005.
  4. National Academies of Sciences, E. and Medicine, The Health Effects of Cannabis and Cannabinoids: The Current State of Evidence and Recommendations for Research. 2017, Washington, DC: The National Academies Press.
  5. Sexton, M., et al., A Cross-Sectional Survey of Medical Cannabis Users: Patterns of Use and Perceived Efficacy. Cannabis Cannabinoid, Res, 2016.
  6. Grotenhermen, F., Pharmacokinetics and pharmacodynamics of cannabinoids. Clin, Pharmacokinet, 2003.
  7. Vinette, B., et al., Routes of administration, reasons for use, and approved indications of medical cannabis in oncology: a scoping review. B. M. C. Cancer, 2022.
  8. BfArM, Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln. 2022.
  9. Stott, C., et al., A Phase I, open-label, randomized, crossover study in three parallel groups to evaluate the effect of Rifampicin, Ketoconazole, and Omeprazole on the pharmacokinetics of THC/CBD oromucosal spray in healthy volunteers. SpringerPlus, 2013. 2(1): p. 236.
  10. Storgaard, I.A.-O., et al., Population pharmacokinetic modelling revealed large variability in oromucosal absorption of Δ(9)-tetrahydrocannabinol in older patients with poor appetite. Br, J. Clin Pharmacol, 2025.
  11. Paudel, K.S., et al., Cannabidiol bioavailability after nasal and transdermal application: effect of permeation enhancers. Drug Dev Ind, Pharm, 2010.
  12. Lucas, C.J., P. Galettis, and J. Schneider, The pharmacokinetics and the pharmacodynamics of cannabinoids. British Journal of Clinical Pharmacology, 2018. 84(11): p. 2477-2482.
  13. O’Brien, K. and P. Blair, Medicinal cannabis and CBD in mental healthcare, in Medicinal cannabis and CBD in mental healthcare. 2021, Springer Nature Switzerland AG: Cham, Switzerland.
  14. Tijani, A.O., et al., Delivering therapeutic cannabinoids via skin: Current state and future perspectives. J. Control Release, 2021.
  15. Huestis, M.A., Human cannabinoid pharmacokinetics. Chem, Biodivers, 2007.
  16. Hermush, V., et al., Enhancing cannabinoid bioavailability: a crossover study comparing a novel self-nanoemulsifying drug delivery system and a commercial oil-based formulation. J. Cannabis Res, 2025.
  17. Russell, C., et al., Routes of administration for cannabis use – basic prevalence and related health outcomes: A scoping review and synthesis. Int, J. Drug Policy, 2018.
  18. Abramovici, H., S.-A. Lamour, and G. Mammen, INFORMATION FOR HEALTH CARE PROFESSIONALS Cannabis (marihuana, marijuana) and the cannabinoids Dried or fresh plant and oil administration by ingestion or other means Psychoactive agent. 2018.
  19. Sawtelle, L. and L.A.-O. Holle, Use of Cannabis and Cannabinoids in Patients With Cancer. Ann, Pharmacother, 2021.
  20. Jung, K.M., et al., Administration of Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) in Adolescent and Adult Mice. J. Vis Exp, 2025.

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