Was ist Cannabis sativa?
Cannabis sativa L. ist der botanische Name von Cannabis, einer Pflanzengattung aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Sie hat ihren Ursprung in Asien. Die Pflanze hat in der Vergangenheit sowohl für medizinische Zwecke als auch für weitere Anwendungen eine bedeutende Rolle gespielt. Hier ist etwa die Herstellung von Seilen, Stoffen und Papier aber auch die Verwendung für Leichtbaustoffe etwa in der Automobilindustrie zu nennen. In den letzten Jahren hat das Interesse an Cannabis sativa als Arzneimittel zugenommen, insbesondere aufgrund seiner potenziellen therapeutischen Wirkungen. Es ist wichtig zu beachten, dass die Verwendung von Cannabis sativa für medizinische Zwecke streng reguliert ist. Für die Verwendung von Cannabis als Genussmittel für Erwachsene läuft derzeit ein Verfahren, das dies ermöglichen soll. Die Einhaltung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG), des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) und des Arzneimittelgesetzes (AMG) ist für alle Informationen und Anwendungen im Zusammenhang mit Cannabis sativa erforderlich.
Zwei Hauptbestandteile von Cannabis sativa sind Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). THC ist für seine psychoaktiven Effekte bekannt, während CBD keine berauschenden Eigenschaften hat und für seine potenziellen medizinischen Anwendungen im Zusammenspiel mit THC bedeutend ist. Die beiden Stoffe werden als Cannabinoide bezeichnet.
Vergleich zwischen Cannabis sativa und Cannabis indica
Oft werden Cannabisprodukte in zwei „Pflanzenarten“ eingeteilt: „Indica“ und „Sativa“. Botanisch gesehen handelt es sich dabei jedoch immer nur um eine einzige Art, die aber in zwei Varianten auftreten kann. Cannabis indica und Cannabis sativa sollen zwar unterschiedliche Effekte hervorrufen, allerdings ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, dass diese Unterschiede tatsächlich auf die botanischen Varietäten zurückzuführen sind. Vermutlich hängen die Effekte jedoch eher mit der jeweiligen Zusammensetzung verschiedener Cannabis-Stoffklassen (z. B. Cannabinoide, Terpene und Flavonoide) zusammen. Es liegen einige empirische Hinweise vor, dass diese beiden Arten tatsächlich unterschiedliche Mengen bestimmter Cannabisbestandteile enthalten. So haben verschiedene Studien kommerziell erhältliches Cannabis, das als „Indica“ oder „Sativa“ gekennzeichnet war, analysiert und festgestellt, dass Indica-Proben höhere Konzentrationen von Myrcen und hydroxylierten Terpenen enthielten, während Sativa-Proben höhere Mengen an Terpinolen, 3-Caren und mehreren Sesquiterpenen aufwiesen. Die Konzentrationen der wichtigsten Cannabinoide (THC und CBD) waren jedoch in C. indica- und C. sativa-Proben im Allgemeinen vergleichbar [7].
Obwohl diese wenigen Studien darauf hindeuten, dass sich einige C. indica- und C. sativa-Produkte anhand ihres Terpengehalts unterscheiden lassen könnten, existiert derzeit kein wissenschaftlich fundierter Konsens oder eine operationalisierte Definition von „Indica“ oder „Sativa“ basierend auf der chemischen Zusammensetzung. Darüber hinaus haben wissenschaftliche Expertendiskussionen infrage gestellt, ob die Indica-/ Sativa-Nomenklatur eine sinnvolle Unterscheidung von im Handel erhältlichen Cannabisprodukten erlaubt, insbesondere angesichts der weit verbreiteten Kreuzzüchtung zwischen den Pflanzenarten und des fehlenden Standardisierungsrahmens in der Cannabisindustrie [8].
Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica
Vonseiten mancher Anbieter von Cannabisprodukten wird häufig kommuniziert, dass die beiden „Arten“ unterschiedliche therapeutische und/oder nichttherapeutische Effekte auslösen würden.
So würden C. sativa-Produkte einen anregenden Effekt erzeugen und sollten daher bei Depressionen oder zur Appetitsteigerung verwendet werden. Indica-Sorten werden hingegen häufig bei Symptomen eingesetzt, bei denen Sedierung, Schmerzlinderung oder Muskelentspannung erwünscht sind, etwa bei Neuropathien, Spastik, Krampfanfällen oder Gelenkbeschwerden [9].
Die exakten Wirkmechanismen der einzelnen Inhaltsstoffe sind bisher nur teilweise erforscht. Sie werden derzeit noch nicht vollständig verstanden, da verschiedene Cannabinoide, Terpene und weitere pflanzliche Bestandteile entweder alleine oder in Wechselwirkung verschiedene Effekte hervorrufen können. Dies wird als sogenannter „Entourage-Effekt“ bezeichnet. Um aber die spezifischen Wirkungen von C. indica und C. sativa auch im Einzelnen eindeutig zu bestimmen, sind nähere groß angelegte, randomisierte, placebokontrollierte und doppelt verblindete Studien erforderlich.
Medizinische Verwendung von Cannabis sativa in Deutschland
In Deutschland ist die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke seit 2017 erlaubt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine medizinische Cannabistherapie für Patienten von Vorteil sein und wird vom Arzt an Patienten verschrieben, die etwa an schweren chronischen Schmerzen, Spastik bei Multipler Sklerose, Übelkeit und Erbrechen infolge von Chemotherapie oder anderen schwerwiegenden Erkrankungen leiden. Es ist wichtig, die potenziellen Risiken und Nebenwirkungen von Cannabis sativa zu kennen und zu beachten, darunter Schwindel, Müdigkeit, Mundtrockenheit, Übelkeit, Angstzustände und erhöhter Herzschlag. Ein Arzt entscheidet immer, ob eine medizinische Cannabistherapie für eine bestimmte Erkrankung infrage kommen könnte. Wie in anderen Fällen auch, steht es einem Patienten natürlich frei, seinen Arzt gegebenenfalls auch darauf anzusprechen. Ein Anspruch auf eine bestimmte vom Patienten gewünschte Therapie besteht für diesen jedoch nicht. Die Entscheidung liegt stets beim behandelnden Arzt.
Einhaltung der deutschen Gesetzgebung
Cannabis sativa, in Form von Medizinalcannabis, wird nur unter Berücksichtigung der Anforderungen verschiedener Gesetze verwendet, so etwa jenen des BtMG. Dieses ist hier das bedeutendste Gesetz. Es regelt die Verwendung, den Einsatz und die Verschreibung von Betäubungsmitteln neben vielen weiteren Aspekten wie Lagerung, Abgabe, Vernichtung usw. Medizinisches Cannabis ist seit 2017 ein für therapeutische Zwecke durch den Arzt verschreibungsfähiges Betäubungsmittel. Dieses wird international verbindlich unter Überwachung einer speziellen Einrichtung, einer sog. Cannabisagentur, hergestellt. Weiterhin legen die Vorschriften des HWG fest, dass irreführende oder irrationale Informationen über die Verwendung von Cannabis vermieden werden müssen.
Gemäß dem AMG müssen medizinische Cannabisprodukte, wie alle anderen Arzneimittel auch, strenge Qualitäts- und Sicherheitsstandards erfüllen, um die Sicherheit und das Wohlergehen von Patienten zu gewährleisten.
Forschung und zukünftige Perspektiven
Die Forschung zu Cannabis sativa und seinen medizinischen Anwendungen geht ständig weiter. Zukünftige Studien könnten dazu beitragen, den Wirkmechanismen von Cannabis sativa und seiner Bestandteile wie CBD und THC besser zu verstehen. Dies führt möglicherweise dazu, dass neue medizinische Anwendungen eröffnet werden und, dass die Regulierung von Cannabisprodukten weiter angepasst wird, um Patienten bestmögliche und vor allem auch zusätzliche Therapieoptionen im Vergleich zu den heute verfügbaren Methoden zu bieten.
Fazit
Cannabis, botanisch als Cannabis sativa bezeichnet, ist eine Pflanze mit einer langen Geschichte sowohl als Medizin als auch für zahlreiche andere Zwecke, einschließlich industrieller Nutzung. Sie enthält wesentliche Inhaltsstoffe wie etwa THC und CBD, die unterschiedliche Wirkungen auf den menschlichen Körper haben. In Deutschland ist die Verwendung von Cannabis sativa für medizinische Zwecke streng reguliert, und es ist wichtig, bei deren Anwendung die geltenden Gesetze und Vorschriften einzuhalten. Die wissenschaftliche Forschung zu Cannabis sativa und seinen medizinischen Anwendungen entwickelt sich ständig weiter und kann in Zukunft zu neuen Erkenntnissen und Therapieoptionen führen.
Referenzen
1. Pisanti, S., Malfitano, A. M., Ciaglia, E., Lamberti, A., Ranieri, R., Cuomo, G., … & Bifulco, M. (2017). Cannabidiol: State of the art and new challenges for therapeutic applications. Pharmacology & therapeutics, 175, 133-150.
2. Whiting, P. F., Wolff, R. F., Deshpande, S., Di Nisio, M., Duffy, S., Hernandez, A. V., … & Schmidlkofer, S. (2015). Cannabinoids for medical use: a systematic review and meta-analysis. JAMA, 313(24), 2456-2473.
3. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (2017). Cannabis als Medizin. Abgerufen von https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Arzneimittelzulassung/_node.html
4. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. (2005). Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens (Heilmittelwerbegesetz – HWG). Abgerufen von https://www.gesetze-im-internet.de/hwg/
5. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. (2005). Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz – AMG). Abgerufen von https://www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/
6. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. (1981). Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (Betäubungsmittelgesetz – BtMG). Abgerufen von https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/
7. Hazekamp, A., K. Tejkalová, and S. Papadimitriou, Cannabis: From Cultivar to Chemovar II—A Metabolomics Approach to Cannabis Classification. Cannabis and Cannabinoid Research, 2016. 1(1): p. 202-215.
8. Piomelli, D. and E.B. Russo, The Cannabis sativa Versus Cannabis indica Debate: An Interview with Ethan Russo, MD. Cannabis Cannabinoid, Res, 2016.
9. Pearce, D.D., K. Mitsouras, and K.J. Irizarry, Discriminating the Effects of Cannabis sativa and Cannabis indica: A Web Survey of Medical Cannabis Users. The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 2014. 20(10): p. 787-791.