Blüte oder Extrakt
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Blüte oder Extrakt – was sind die Unterschiede?

Cannabisblüten sind die getrockneten Blüten der weiblichen Pflanze. Sie weisen ein breites Spektrum der relevanten Cannabinoid-Wirkstoffe THC und CBD auf. Es gibt Sorten mit teils hohen bis sehr hohen Gehalten eines der beiden Cannabinoide oder auch ein ausgeglichenes Verhältnis der beiden. Daneben enthalten sie weitere für die Wirksamkeit relevante Stoffe, die sog. Terpene. Diese gelten nicht als Wirkstoffe. Sie können jedoch synergistisch die Wirkung der Cannabinoide positiv beeinflussen.1 Aufgrund dieser Variabilität von THC und CBD und einem unterschiedlichen Terpenprofil ist der Arzt in seiner Therapie insgesamt und vor allem bei einem eventuellen Nichtansprechen und dem Wechsel auf andere Blütensorten bei einer einmal begonnen Behandlung sehr viel variabler.

Cannabisextrakte sind sog. Zubereitungen, die aus der Cannabispflanze gewonnen werden und eine Vielzahl von Cannabinoiden, Terpenen und Flavonoiden enthalten, je nachdem, wie sie extrahiert werden. Die reinste und konzentrierteste Form von Cannabisextrakten wird als “Destillat” bezeichnet und ist besonders für Patienten geeignet, die eine hohe Dosierung benötigen oder bestimmte Terpene nicht vertragen. Im Vergleich dazu weisen Vollspektrumextrakte genau wie Cannabisblüten eine höhere biologische Aktivität auf, da sie eine breitere Palette an Inhaltsstoffen enthalten. Zu diesen Inhaltsstoffen zählen sowohl die Wirkstoffe selbst sowie auch solche Stoffe, welche zwar selbst keine eigenständige Wirkung besitzen, aber die Wirkung anderer verstärken können. Die Gesamtheit dieser Inhaltstoffe kann dann im Körper synergistisch interagieren, was sie oft besser verträglich und gleichzeitig effektiver macht.1 

Die Verabreichung von medizinischem Cannabis kann auf verschiedene Weisen erfolgen, sei es durch Inhalation mittels eines medizinischen Verdampfers oder durch die Einnahme von Extrakten in Form von Tropfen. Diese Entscheidung sollte jedoch immer vom Arzt getroffen werden, basierend auf den individuellen Symptomen, dem Therapieziel und der gewünschten Wirkdauer. 

Vorteile von Cannabisblüten:

Schnellerer Wirkungseintritt: Die Wirkung setzt innerhalb weniger Minuten ein und hält etwa zwei bis drei Stunden an.2

Hohe Bioverfügbarkeit: Die Bioverfügbarkeit von Blüten liegt zwischen 15 und 35 % und ist damit höher als bei Extrakten.2

Vorteile von Cannabisextrakten:

Einfache Anwendung: Cannabisextrakte können oral eingenommen werden. Die orale Einnahme erweist sich als einfach und praktisch und ermöglicht eine sehr präzise Dosierung.  

Längere Wirkdauer: Die Wirkung von Cannabisextrakten setzt in der Regel innerhalb von 30 bis 90 Minuten ein und hält etwa vier bis acht Stunden an, abhängig vom Stoffwechsel des jeweiligen Patienten. Hier besteht also in der Regel eine deutlich längere Wirkdauer als bei Blüten. Die Bioverfügbarkeit liegt dabei in einer Größenordnung von 3 bis 15 %.2

Cannabisextrakte eignen sich aufgrund ihrer gleichmäßigen Wirkungsverteilung besonders zur Behandlung von langanhaltenden, chronischen Beschwerden. Sie bieten damit eine Alternative für Patienten, die eine kontinuierliche Wirkung und eine zuverlässige Dosierung benötigen und können eine wirksame Option bei der Bewältigung verschiedener Gesundheitszustände sein.3
Cannabisextrakt
Die Wahl zwischen Cannabisextrakten und Cannabisblüten hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einer ist sicher das ärztlich erwünschte Therapieziel, daneben aber auch gewisse persönliche Bedürfnisse oder Wünsche des Patienten, was dieser in seiner Lebenssituation als am besten geeignet empfindet. Schließlich kann auch der Stoffwechsel eines Patienten ein Grund dafür sein, dass man eher die eine oder die andere Arzneiform anwendet. Die Wirkstärke und -dauer variieren von Person zu Person oftmals deutlich. Während die Bioverfügbarkeit bei der Inhalation von Cannabisblüten signifikant höher ist, eignen sich Extrakte für eine langanhaltende Wirkung. Beide Formen sind effektiv zur Schmerzbehandlung, wobei Cannabisblüten tendenziell aufgrund ihres schnelleren Wirkeintritts einen Vorteil bei akuten Schmerzspitzen bieten können, während Extrakte eine kontinuierliche Wirkung gewährleisten. 

 

Die Rolle des Trägeröls bei Cannabisextrakten:

Die Wahl des Trägeröls für Cannabisextrakte spielt eine entscheidende Rolle bei der Stabilität der enthaltenen Wirkstoffe wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).  

Die meisten Hersteller bevorzugen mittelkettige Triglyceride (MCT-Öl), z.B. Kokos-MCT-Öl, die sich als stabiler erwiesen haben. Diese werden auch als Miglyol bezeichnet. Sie bestehen aus gesättigten Fettsäuren mit mittlerer Kettenlänge und sind daher weniger anfällig für Oxidation. Dies trägt zur Stabilität von THC und CBD bei und ermöglicht eine präzise Dosierung, insbesondere wenn die Extrakte in Form von Tropfen eingenommen werden. Aber es gibt auch ganz praktische Gründe für die Nutzung von MCT: Für dieses gibt es eine Vorschrift im Europäischen Arzneibuch („Pharm. Eur.“). Somit können Apotheken gegebenenfalls auch weitere Verdünnungen der angebotenen Extrakte herstellen, und dies, ohne dass es zur Beeinträchtigung der Viskosität kommt. Und dabei kann man sich auf die Qualität des jeweils bezogenen Öls zweifelsfrei verlassen. 

Trägeröle mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren wie Traubenkernöl oder Sesamöl können möglicherweise dazu neigen, die Cannabinoide zu oxidieren und somit ihre Wirksamkeit zu beeinträchtigen. Es gibt jedoch Anbieter, die für die Herstellung ihrer Extrakte Sesamöl oder auch andere, die Olivenöl verwenden. Olivenöl wird jedoch im Allgemeinen weniger verwendet. Studien hatten gezeigt, dass es die enthaltenen Wirkstoffe schneller abbaut als MCT-Öl. 

Vergleich von Cannabisblüten und -extrakten:

 

Kriterium Cannabisblüten Cannabisextrakte
Wirkungseintritt Schneller, direkt nach Inhalation Nach 30 bis 90 Minuten
Wirkungsdauer Kurz (etwa 2-3 Stunden) Langanhaltend (4-8 Stunden)
Dosierungskontrolle Schwieriger, die Dosierung kann jedoch einfach angepasst werden  Präzise Dosierung von Beginn an möglich
Bioverfügbarkeit Höher (10-30 %) Niedriger (5-15 %)
Verabreichungsformen Vaporisieren, Teezubereitung Oral (Tropfen, Kapseln), Inhalation/Verdampfen (gilt nicht für ölige Extrakte)
Einnahme IInhalation mittels Verdampfer erfordert bestimmte Kenntnisse und Übung  Einfacher, weniger Aufwand
Lagerung Anfällig für Verderblichkeit bei unsachgemäßer Lagerung Länger haltbar, weniger anfällig für Verderblichkeit
Kosten In der Regel günstiger als Extrakte Kann teurer sein, abhängig von Herstellung und Qualität

 

Schlussfolgerung:

Insgesamt gesehen zeigen sich Cannabisextrakte als vorteilhafter in Bezug auf die Dosierungsgenauigkeit, während Cannabisblüten aufgrund ihrer schnelleren Wirkung und höheren Bioverfügbarkeit bei der Inhalation als geeignete Option erscheinen. Die Wahl zwischen Cannabisextrakten und -blüten sollte jedoch unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und der Therapieziele getroffen werden. Natürlich spielt unter Umständen auch die Präferenz des Patienten eine Rolle, welche Form zur Anwendung kommen kann. Dies etwa, wenn er mit der Handhabung von Blüten bei der Vaporisation nicht klarkommt. Eine interessante Therapieoption kann auch die Kombination aus Blüten und Extrakten sein. Und zwar für bestimmte Erkrankungen, bei denen sowohl eine schnelle als auch länger anhaltende Wirkung erwünscht ist, um das Krankheitsgeschehen positiv zu beeinflussen. Dies muss dann bei der Beantragung der Kostenübernahme durch die GKV vom Arzt auch vorgetragen werden, da es sich dabei ja um zwei verschiedene Arzneiformen handelt. Wenn man die Therapie mit Blüten beantragt und die Kasse der Kostenübernahme zustimmt, darf kein Extrakt zu Lasten der Kasse verordnet werden und umgekehrt.

 

Quellen:

1 Russo EB. Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. Br J Pharmacol. 2011 Aug;163(7):1344-64. doi: 10.1111/j.1476-5381.2011.01238.x. PMID: 21749363; PMCID: PMC3165946.

2 Müller-Vahl, K. & Grotenhermen, F. (2019). Cannabis und Cannabinoide in der Medizin. (1. Auflage). MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

3 DGS Praxisleitlinien Schmerzmedizin. Cannabis in der Schmerzmedizin

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