Medizinalcannabis in Deutschland – Interview mit Dr. Henneberg
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Medizinalcannabis in Deutschland – Interview mit Dr. Henneberg

Vorstellung Dr. Henneberg
Mathias Henneberg InterviewDr. Mathias Henneberg ist Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin und hat sich bereits seit Jahren auf die Verschreibung von Medizinalcannabis spezialisiert. Er betreibt gemeinsam mit der Telemedizinplattform 123Can eine Praxis in Berlin. Dort betreut er seine Patienten vor Ort, bietet aber auch bundesweit Videosprechstunden an. Zudem führt Dr. Henneberg als erster Cannabis-Arzt in Deutschland Hausbesuche durch und kommt zu Patienten im Berliner Westen direkt nach Hause. Dies ist besonders wertvoll für ältere Patienten oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität sowie schweren Erkrankungen.

Weitere Informationen zu Dr. Hennebergs Werdegang sind auf seinem Jameda-Profil zu finden:

 


Fragen an Dr. Henneberg

Frage 1: Wie sind Sie dazu gekommen, medizinisches Cannabis in Ihrer Praxis einzusetzen?

Dr. Henneberg: Ich habe fast 40 Jahre in der Anästhesie an verschiedenen Standorten in Deutschland gearbeitet, von großen Kliniken bis hin zu kleineren Häusern. In dieser Zeit habe ich unzählige Patienten mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder psychischen Belastungen betreut. 2023 war ich in einer Klinik in Tutzing tätig, wo ich erstmals direkten Kontakt zu einem Patienten hatte, der erfolgreich mit medizinischem Cannabis behandelt wurde. Das hat mein Interesse sofort geweckt, denn ich sah bei ihm eine signifikante Verbesserung seines Allgemeinzustands – mit deutlich weniger Schmerzen und besserem Schlaf.

Über diesen Patienten kam ich in Kontakt mit einem Beratungszentrum für medizinisches Cannabis in München. Nach einem ersten Austausch wurde ich von diesem sodann gefragt, ob ich mir vorstellen könne, dort selbst tätig zu werden. Ich nahm das Angebot an und pendelte von Februar bis September 2024 jede Woche von Berlin nach München. In dieser Einrichtung arbeitete ich drei bis vier Tage pro Woche und betreute in dieser Zeit über 3.200 Cannabis-Patienten.

Diese Erfahrung war für mich unglaublich bereichernd. Denn ich konnte aus erster Hand sehen, wie vielfältig und wirksam Cannabis in der Medizin eingesetzt werden kann. Und seit Oktober 2024 führe ich nun meine eigene Praxis in Berlin in Kooperation mit der Telemedizin-Plattform 123can.de. Neben den regulären Terminen biete ich über diese auch Videosprechstunden an – und zusätzlich führe ich seit Kurzem Hausbesuche für ältere oder nicht mobile Patienten durch, um ihnen den Zugang zur Therapie zu erleichtern.

Frage 2: Wie läuft in Ihrer Praxis der Prozess von der Erstberatung bis zum Rezept ab?

Dr. Henneberg: Zunächst buchen die Patienten einen Termin über 123can.de. Zur Vorbereitung füllen sie einen dreiseitigen Anamnesebogen aus, in dem sie ihre Symptome, Beschwerden, Vorerfahrungen mit Cannabis sowie eventuelle Nebenerkrankungen angeben. Auch die gewünschte Apotheke wird dort zwecks einer direkten Rezeptübermittlung an diese auf Wunsch eingetragen.

Die Patienten können zunächst wählen, ob sie eine Videosprechstunde oder einen Termin in der Praxis wünschen. Bei einem Praxistermin kann der Patient wählen, ob er die Ausstellung des Rezepts elektronisch oder in Papierform wünscht. Anschließend kann dieses entweder durch den Patienten selbst in der Apotheke eingelöst oder durch die Praxis unmittelbar digital an die gewünschte Apotheke übermittelt werden.

Unser Fokus und unsere Expertise liegen jedoch insbesondere in der Beratung sowie in der Erstellung begleitender Dokumente und damit zusammenhängenden Serviceleistungen, wie z.B. in Bezug auf Patientenausweise, Schengen-Formulare oder Nachweise für den Straßenverkehr.

Frage 3: Für welche Erkrankungen verschreiben Sie am häufigsten Cannabis?

Dr. Henneberg: Die meisten meiner Patienten leiden unter chronischen Schmerzen, die häufig Folge von Operationen, Unfällen oder degenerativen Erkrankungen sind – etwa Arthrose, Rückenschmerzen oder Nervenschmerzen. In solchen Fällen kann Cannabis oft dort helfen, wo klassische Schmerzmittel versagen oder zu starke Nebenwirkungen verursachen.

Sehr häufig kommen auch Patienten mit Ein- und Durchschlafstörungen. Viele von ihnen haben bereits eine lange Leidensgeschichte hinter sich – manche schlafen seit Monaten oder Jahren kaum noch durch. Hier haben sich insbesondere Cannabisblüten mit hohem Indica-Anteil bewährt, da sie entspannend wirken und das Einschlafen deutlich erleichtern.

Daneben sehe ich Patienten mit sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern: vom Restless-Legs-Syndrom über Menstruationsbeschwerden bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen. Gerade bei Letzteren berichten viele, dass Cannabis ihnen hilft, wieder zur Ruhe zu kommen und die innere Anspannung zu verringern.

Frage 4: Was berichten Ihre Patienten über ihre Erfahrungen mit der Cannabistherapie?

Dr. Henneberg: Die Rückmeldungen meiner Patienten sind überwiegend sehr positiv. Viele berichten bei den Kontrollterminen, dass sie dank einer Cannabistherapie wieder ein Stück Lebensqualität zurückgewonnen haben.

Patienten mit Schlafstörungen erzählen, dass sie endlich wieder ein- und durchschlafen können – und das oft zum ersten Mal seit Jahren. Dadurch fühlen sie sie sich erholter, konzentrierter und aktiver im Alltag.

Mathias Henneberg Interview
Patienten mit chronischen Schmerzen berichten, dass die Schmerzen nicht mehr so brennend oder stechend sind, sondern deutlich abgemildert auftreten. Häufig können sie auch ihre bisherigen Schmerzmittel reduzieren oder ganz absetzen.

Für mich persönlich ist es jedes Mal eine große Freude, wenn ich sehe, wie positiv sich die Lebensqualität meiner Patienten entwickelt. Viele bleiben über Monate in Betreuung und bekommen ihre Folgerezepte regelmäßig über 123can.de ausgestellt. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Therapie langfristig anschlägt.

Frage 5: Gibt es langfristige Unterschiede in der Verträglichkeit von Medizinalcannabis?

Dr. Henneberg: Im Allgemeinen ist Medizinalcannabis sehr gut verträglich. Die meisten meiner Patienten berichten kaum über Nebenwirkungen, unabhängig davon, ob sie Blüten oder Extrakte anwenden. Gelegentlich kommt es vor, dass eine der Darreichungsformen – meist Tropfen – nicht die gewünschte Wirkung erzielt. In solchen Fällen wechseln wir diese oder passen die Sorte an.

Langfristig sehe ich keine gravierenden Probleme. Wichtig ist nur, dass die Therapie regelmäßig überwacht und individuell angepasst wird, etwa, wenn sich die Lebensumstände ändern oder neue Medikamente hinzukommen.

Frage 6: Wird Medizinalcannabis weiterhin noch als tabu wahrgenommen?

Dr. Henneberg: Bei den Patienten, die sich in meiner Praxis vorstellen, spielt das Thema „Tabu“ kaum noch eine Rolle. Die meisten sind gut informiert, sei es durch ihre Apotheke, durch Angehörige oder durch Berichte in den Medien. Viele kommen mit einer klaren Erwartungshaltung und konkreten Fragen.

In der breiten Öffentlichkeit ist das Bild von Cannabis allerdings noch zweigeteilt: Während es für viele längst eine ernstzunehmende Therapieoption ist, verbinden andere es noch immer mit Freizeitkonsum oder diesbezüglichen Vorurteilen. Ich denke, es braucht weiterhin Aufklärung und offene Kommunikation, um diese alten Denkmuster zu durchbrechen.

Frage 7: Behandeln Sie Patienten aus unterschiedlichen Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten?

Dr. Henneberg: Ja, absolut. In meiner Praxis behandle ich Patienten zwischen 18 und über 90 Jahren – vom Studenten mit chronischer Migräne bis zur Seniorin mit Arthroseschmerzen. Auch gesellschaftlich ist alles vertreten: Menschen aus handwerklichen Berufen, Angestellte, Rentner, Künstler oder Unternehmer.

Für mich steht jedoch nicht die soziale Zugehörigkeit im Vordergrund, sondern der Mensch und sein Beschwerdebild. Jeder Patient verdient eine individuelle und respektvolle Behandlung. Und genau das ist für mich der Kern ärztlicher Arbeit – unabhängig von Alter, Herkunft oder Gesellschaftsschicht.

Lana Korneva mailinfo@drapalin.de
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